Die Essenz des Drecks aus der Musikwelt

Changing Holes >> Record #002, ohne Label

Als ich zum ersten Mal die Musik der „Changing Holes“ aus Brooklyn hörte, sah ich psychedelisch anmutende Schwarzweißaufnahmen von nackten Menschen aus den 20er Jahren. Es lief nämlich im Fernsehen, genauer gesagt auf arte, eine Dokumentation über die Geschichte der Pornografie. Die Dokumentation und Musik ergänzten sich überaus harmonisch, denn – wie man dem Cover oben schon entnehmen kann – ist die Musik der Changing Holes nicht unbedingt Musik für Klosterschüler, die Mitglied der Jungen Union werden wollen und heimlich Barbara Eiligmann sexy finden. Das hier ist übelste, dreckigste Krachmusik für jedermann. Ein herrliches Pamphlet auf die moderne Rockmusik. Die erste EP, die konsequenterweise natürlich Record #001 hieß, erschien 2008. Wann diese EP hier rauskam, weiß ich nicht genau. Ich schätze aber mal grob und verlege es auf den August 2010. Auf #001 hieß es auf dem Backcover: No effects. There was a general disregard for all recording techniques. Ja, das stimmt auch bei der zweiten Veröffentlichung. Noise-Rock mit klaren Lo Fi-Einflüssen und verstimmten Gitarren mit fuzzy-Effekt dominiert. Das lässt sich klar am ersten Track, REAL eSTATE, heraushören. Eine unglaublich reindrückende Gitarre auf simplen Drums, das wiederholt sich mehrmals und dennoch ergibt sich ein geniales Machwerk zwischen Idiotie und Brillianz, irgendwo da. Der Gesang auf der Scheibe ist fast immer unverständlich, da schlecht abgemischt oder vocodert. Immer mal wieder werden Samples eingearbeitet wie bei Whistling oder Tara makes Sense. Diese Samples bedienen dann wieder dem obzönen Psych-Design der Band (wie gesagt: siehe Cover). Am besten sind die sich wechselnden Löcher dennoch instrumental: Watching Good Bands Go Bad klingt so unsteril, kaputt und zerfasert, dass man sich im Dreckwasser, was aus den Boxen tropft, geradezu suhlen will. Titel wie I Cracked bedienen sich sogar einer natürlich verstimmten Gitarre und einer angenehm klingenden Stimme, bei der der Gesang a.) hörbar und b.) eine Bereicherung ist. Haven’t fallen back in the rooms / that I had thrown myself in, singt der Sänger J. Henry deCouto (was wie ein abgeranzter Pornoname klingt, klar) bei I cracked. Der Titel Dead Music #2 (siehe Video) nutzt eine wunderbare, simple und einfache, doch ungeheuer melancholische Melodie. Das Video – wie immer bei den „Changing Holes“ aus alten Filmzitaten, Pornoausschnitten und Archivaufnahmen bestehend – begeistert in der Hinsicht ebenso. Diese Platte ist für manche unnützer, untalentierter Krach. Doch wer im Krach die Schönheit und das Talent der undefinierten, total unbekannten und rätselhaften „Band“ aus Brooklyn in New York erkennt und wertschätzt, den heiße ich im Kreis der abgefuckten Musikliebhaber herzlich willkommen!

7/10

Die gesamte Diskographie der Changing Holes kann bei last.fm kostenlos und natürlich legal gedownloadet werden. Hier der Link für #002.

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